Canyonwandern

Leseprobe

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24. Spencer Trail und Dominguez Pass

Highlights:
Großartige Aussicht auf den Colorado, Lee’s Ferry und den Paria Canyon. Eine historisch gesehen äußerst interessante Gegend mit Relikten, Pfaden und Routen aus der Zeit der ersten Siedler.
Tourencharakter: Der Spencer Trail ist vergleichbar mit einem der vielen Pfade in den Alpen, steil aber trotzdem gut begehbar. Die Höhendifferenz beträgt etwa 500 Meter. Wer die Rundwanderung über den Dominguez Pass wählt, sollte mit „Routefinding“ vertraut sein. Ein GPS-Gerät ist dabei sehr hilfreich. Der Abstieg in den Paria Canyon ist am Anfang etwas steil und erfordert dort Trittsicherheit. Auf dem Rückweg zur Lonely Dell Ranch muss der (maximal knietiefe) Paria River viele Male gequert werden, weshalb man „Wading Boots“ mitnehmen sollte.
Zeitbedarf: Möchte man nur in gemütlichem Tempo den Spencer Trail „bezwingen“, oben eine schöne Pause machen und fotografieren, dann sollte man mit etwa 3,5 Stunden rechnen. Für die Rundtour über den Dominguez Pass braucht man etwa 9,5 Stunden.
Permit: Es wird kein Permit benötigt.
Karten: Lees Ferry- und Ferry Swale Quadrangle. Für die lange Variante über den Dominguez Pass lohnt es sich, eine Karte auszudrucken.
Wasser: Dies ist eine lange Wanderung mit einer ordentlichen Steigung. Da man aber nirgendwo trinkbares Wasser findet (das des Paria River ist zu salzhaltig), sollte man einen sehr reichlich bemessenen Wasservorrat mitnehmen.
Lage / Zugang: Die Wanderung verläuft in der Glen Canyon National Recreation Area.
Nachdem man in Page noch einmal voll getankt hat, fährt man auf dem Highway 89 nach Süden (Richtung Flagstaff), biegt dann nach rechts auf den Highway 89A ab und überquert auf der Navajo Bridge den Colorado. Gleich danach biegt man erneut rechts ab, bezahlt an der Fee Station seinen Obolus und ist bald darauf in Lee’s Ferry angekommen, wo man auf dem hinteren Parkplatz parkt.

Beschreibung: Vom Parkplatz aus sind es nur wenige Schritte bis zu Lee’s Fort, einem alten Boiler zur Dampferzeugung und den Überresten eines im Wasser liegenden, alten Dampfschiffes. Hier versuchte Charles H. Spencer von 1910 - 1913 vergeblich Gold aus dem Sandstein der Chinle Formation zu gewinnen (s. Exkurs: Der Goldsucher Charles H. Spencer). Ein Hinweisschild zeigt den Beginn des Spencer Trail an.
Nun wird es ernst. Es geht bergauf und das nicht zu schlecht! 500 Höhenmeter sind zu überwinden. An heißen Tagen empfiehlt sich ein früher Aufbruch, denn dann liegt der (problemlos begehbare) Pfad noch im Schatten. Je höher man kommt, desto schöner wird der Tiefblick auf den Colorado, Lee’s Ferry und die Echo Peaks auf der anderen Seite des Flusses. Am Rim angekommen, folgt man noch ein paar Meter den Pfadspuren zu einem Aussichtspunkt, der mit einem Holzpfahl markiert ist (GPS: 12S 04 48 785 UTM 40 80 262). Der Ausblick von hier ist einfach fantastisch und eine gemütliche Rast ist nun mehr als verdient!
Auch für alle diejenigen, die die lange Runde über den Dominguez Pass nicht in Angriff nehmen wollen, lohnt es sich, ein paar hundert Meter in Richtung Norden zu gehen, um von dort einen schönen Blick auf ein anderes Teilstück des Colorado zu erhaschen. In der Ferne sieht man die drei Schornsteine des Kraftwerks östlich von Page und dahinter den Navajo Mountain.
Wer nun beschließt umzukehren, hat sicherlich das Highlight dieser Wanderung erlebt und kann den Rest des Tages nutzen, um z. B. die Lonely Dell Ranch zu besuchen oder auch den nahe gelegenen Cathedral Wash (Wanderung Nr. 25).
Die lange Tour über den Dominguez Pass lohnt sich meiner Meinung nach weniger für Fotografen, sondern mehr für sportlich ambitionierte und / oder geschichtlich interessierte Wanderer. Natürlich auch für alle, die auf der Wanderung durch den Paria Canyon eine besondere Liebe zu dieser Gegend entwickelt haben. Vom Spencer Trail bis zum Dominguez Pass braucht man ca. zwei Stunden und 15 Minuten, für den Abstieg zum Fluss etwa 2,5 Stunden und für den Rückweg zum Auto noch einmal zwei Stunden, jeweils reine Gehzeit ohne Pausen.
Um zum Dominguez Pass zu kommen, folgt man einfach dem Paria Canyon nach Nordwesten und hält dabei immer einem Abstand von ca. 200 bis 300 Meter zum Rim. Einen Pfad oder auch nur Trittspuren gibt es hier nicht. Dieser Wegabschnitt bietet weder schöne Ausblicke, noch ist er sonderlich angenehm zu gehen. Zudem sind einige kleinere Washs zu queren, was zwar nicht schwierig aber mit Gegenanstiegen verbunden ist. Ich war daher recht froh als ich den Dominguez Pass zum ersten Mal erblickte. In der Nähe des Passes gibt es eine Menge versteinertes Holz. Der Anfang der Abstiegsroute findet sich bei GPS: 12S 04 47 113 UTM 40 82 898.
Man folgt nun der offensichtlichen Route nach Nordwesten und stößt schon ein paar Minuten später auf einen steinernen Korral. Das ist aber auch das einzige Anzeichen dafür, dass dieser Pass früher genutzt wurde. Steinmännchen oder dergleichen sucht man hier und auch im weiteren Routenverlauf vergebens! Nach Queren einer steilen Rinne sucht man sich einen möglichst bequemen Abstieg, wird hier aber nicht umhin kommen, gelegentlich die Hände zu Hilfe zu nehmen. Hat man erst einmal die Sanddüne erreicht, wird das Gehen sehr viel leichter.
Hier und auch im weiteren Verlauf des Abstiegs sollte man gelegentlich innehalten und den eigenen Standort mit dem GPS-Gerät kontrollieren. Auf der Ferry Swale Topo Map ist die Route korrekt eingezeichnet. Man muss sie zwar nicht sklavisch genau einhalten, sollte aber Abkürzungsgelüsten widerstehen! Die führen nämlich unweigerlich in stark abschüssiges Gelände und damit zu Umwegen! Die Route endet an einem Felsen mit Petroglyphs (GPS: 12S 04 44 949 UTM 40 83 568). Schaut man zurück zum Pass, so weiß man, was man geleistet hat. Es ist Zeit für eine Rast!
Wir wechseln nun zu „Wading Boots“ und beginnen unseren „Endspurt“ nach Lee’s Ferry. Folgt man einfach den Pfadspuren, so kürzt man automatisch die vielen Biegungen des Flusses ab und spart eine Menge Zeit. Die zahlreichen Flussquerungen bereiten keine Probleme und sind an heißen Tagen eine willkommene Abkühlung. Dieses letzte Teilstück unserer heutigen Wanderung ist identisch mit den letzten Meilen von Wanderung Nr. 23 (Buckskin Gulch und Lower Paria River Canyon), einer der spektakulärsten Touren im Amerikanischen Südwesten!

Tipps: Lee’s Ferry besitzt einen schön gelegenen Zeltplatz mit Blick auf den Colorado. Man kann hier billig campen und dann am nächsten Tag den ebenfalls sehr lohnenden Cathedral Wash (Wanderung Nr. 25) besuchen. Wer es komfortabler haben möchte, fährt ein Stück auf dem Highway 89A nach Westen und übernachtet in der Marble Canyon Lodge oder einem der anderen Motels.
- Kurz vor Lee’s Ferry gibt es auf der Westseite der Straße balancierende Steine, die mit den hohen Klippen im Hintergrund ein beliebtes und lohnendes Fotomotiv sind.